Interessantes
Hufeisen
Auf den Bildern sieht man ein schon eingewachsenes Hufeisen und den falschen Winkel von Fessel und Huf.
Durch die fehlende Abnutzung des Horns (weil ein Hufeisen angenagelt ist) wird die Zehe immer länger.
Im Trachtenbereich nutzt sich das Horn durch den Hufmechanismus ab. So verändert sich bei zu langen Beschlagsperioden der Winkel von Huf und Fessel.
Das Grundprinzip des Hufzurichtens ist bei allen Hufbeschlägen gleich.
Als erstes wird der alte Beschlag abgenommen.
Danach wird der Huf ausgeschnitten und Plan zugerichtet.
Natürlich muß auf eventuelle Stellungsfehler Rücksicht genommen werden. Näheres zu Stellungsfehlern und deren Korrektur finden Sie auf der Barhufseite.
Man feilt alle Hufe auf der Bodenfläche Plan, kürzt die Eckstreben indem sie der Sohle fast angeglichen werden und beschneidet den Strahl nur wo es nötig ist, d.h. wenn sich im Strahl – Ballenbereich “Taschen” bilden, oder der Strahl schief wächst.
Alle losen Sohlenhornteile werden entfernt, dabei sieht man zu, daß die Sohlenfläche möglichst glatt (ohne Huppel und vorstehende Sohlenhornteile) ist. Zum Schluss raspelt man dem noch unbeschlagenen Huf schon eine “Zehenrichtung” an.
Wie stark die Zehenrichtung ausfällt hängt im Wesentlichen davon ab, welche Gangeigenarten das jeweilige Pferd hat. Am einfachsten ist es, sich den Abnutzungsgrad der alten Eisen anzusehen. Die meisten Pferde neigen dazu sich die Eisen nach außen abzulaufen (wie Charlie Chaplin) auch wenn sie leicht Zeheneng stehen (über´n Onkel laufen).
Wenn die Zehenrichtung nicht angeraspelt wird, muß das Pferd sie selbst anlaufen, was die Beugesehne stark belastet.
Außerdem kommt das dem Bewegungsablauf entgegen – die Vorderhufe kommen besser weg, d.h. die Hinterbeine schlagen nicht an die Vorderbeine.
Danach wird das fertig geschmiedete und Plan gerichtete Eisen mit Zehenrichtung kurz aufgebrannt.
Nur kurz brennen, weil das Brennen das Hufhorn austrocknet, das warme Eisen nur kurz auf den Huf halten um am Brandbild zu sehen, ob die Nagellöcher die weiße Linie decken.
Besonderheiten bei Kunststoffbeschlägen sind einmal das die Beschläge nicht aufgebrannt werden können, also muß man vorher sehr genau kontrollieren ob sie passen und auf der gesamten Hornfläche aufliegen.
Marathons haben auf der Hufseite eine vorgegebene Zehenrichtung, die zu beachten ist.
Trotters sind auf der Hufseite völlig Plan, d.h. der vorgerichtete Huf bekommt keine Zehenrichtung.
Danach werden die Beschläge mit möglichst kleinen und möglichst wenigen Nägeln aufgenagelt. – Zu große Nägel belasten unnötig das Wandhorn, zu viele Nägel vor allem zu weit hinten genagelt behindern den Hufmechanismus.
Zum guten Schluss werden die Nägel abgekniffen, eine kleine Kerbe unter den Nagel gehauen und umgenietet. Dann raspelt man alle Hufüberstände ab und glättet die Hornwand damit sich das Pferd nicht an eventuell überstehenden Nagelresten verletzen kann.
Die Vorgehensweise bei Kunstoffbeschlägen ist gleich. Für Eisen reichen meistens vorne sechs und hinten vier Nägel, bei Kunststoffbeschlägen reichen meistens derer vorne und hinten vier.
Der fertig beschlagene Haflinger
Unten Detail des Eisenbeschlags mit kurzer Zehe und 6 Nägeln. Die Nägel sollten immer glattgefeilt werden, damit sich das Pferd nicht verletzen kann, und damit das Eisen, sollte es einmal abgetreten werden oder hängenbleiben, nicht den halben Huf ausbricht (die umgebogenen Nägel ziehen sich leichter aus dem Huf).
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Kommentare zum Artikel
joa.ruf schrieb am 28.01.2010 12:27:53:
ziehen sie bitte mal auf dem letzten bild eine gerade von der mitte der zehe zur mitte des fesselgelenks und eine zweite gerade von dort durch die mitte des röhrbeines in richtung mitte karpalgelenk. !!!! au weia !!!! außerdem erkennt der gelernte und geprüfte hufschmied oder huftechniker / pfleger, dass der neue beschlag zu kurz und zu eng ist, weshalb solch ein pferd auch sehr schnell über die eisen hinauswächst und die trachten überlastet werden. die hartmetallstifte in der zehe des eisen sind auch nicht gerade als optimal zu bezeichnen. sie behindern das pferd beim abrollen und beim abnutzen des hufeisens. stifte im schenkel sind i.o., da sie einen gleitschutz bieten und den verschleiss des eisens im trachtenbereich hemmen, wodurch eine natürlichere seitliche zehenstellung länger erhalten bleibt. stifte sollten in erster linie dem gleitschutz dienen und nicht dem schutz vor verschleiss des eisens.
Ich gebe Ihnen aber recht, daß die Stifte den Verschleiß verhindern, der Rest des Eisens nutzt sich aber ab. Irgendwann läuft, steht und geht das Pferd auf 3 Punkten. Die Kippelei finde ich fürchterlich. Die 'natürlichere seitliche zehenstellung' kenne ich nicht. Ich persönlich mag gar keine Beschläge...